Letze Änderung: 03/11/16

|Antrag auf Mitgliedschaft|
|Haftungsausschluss|
|Impressum|

HILFE für Menschen in der UKRAINE e.V. Mühlingen
gegründet am 03.10.2003

[vorheriges]   [zurück]   [nächstes]

Erfahrungsbericht 
über  die Hilfsaktion in die Ukraine vom 21.- 27.10.2012
Von  Dr. Wolfgang Richter  Meßkirch


Von der Ukrainehilfe erfuhr ich erstmals, als ich im April diesen Jahres aus Altersgründen meine allgemeinmed. Praxis und H- Arzt Tätigkeit aufgab. Mein Praxisinventar und die Gerätschaften wurden also nicht verkauft oder entsorgt, sondern der Ukrainehilfe Mühlingen, organisiert durch die Familie Krieger, zur Verfügung gestellt. Ich bekam das Angebot mir vor Ort selbst ein Bild zu machen und Krankenhäuser, Sozialstationen, Schulen, sowie verschiedene Ortschaften zu besuchen. Zusammen mit Kriegers, beide ehemals russische Aussiedler und somit zweisprachig, ging es im Kleintransporter auf die 1350 km lange Fahrt nach Ushgorod im Südwesten der Ukraine. Tags zuvor war der 40t LKW in Gottmadingen mit Hilfsgütern beladen worden.
Aus Erzählungen hatte ich schon viel über die Situation im Land erfahren. Vor 42 Jahren war ich selbst, noch zu Sowjetunionszeiten, für 4 Monate in der damaligen  UdSSR unterwegs und über Ushgorod eingereist. Trotzdem hatte ich wenig Ahnung davon, was mich jetzt tatsächlich erwarten würde.
Nach insgesamt rund 20 Stunden kamen wir gegen Mitternacht an und wurden trotz später Stunde von der Bürgermeisterin und Ihrem Mann, dem Schuldirektor, sehr herzlich mit Essen und Wodka zur Begrüßung empfangen.
Für den nächsten Tag stand für mich eine Krankenhausführung auf dem Programm, während Kriegers sich, pausenlos telefonierend, um die Zollabfertigung des LKW kümmerten, was schließlich  einen ganzen Tag dauern sollte.
Für die Krankenhausführung wurde eigens eine junge Deutschlehrerin aus dem Nachbarort geholt, welche Ihre Aufgabe engagiert wahrnahm. Maria Potapcuk, die stellvertretende inter- nistische Chefärztin übernahm die Führung und stellte die Kontakte zu den leitenden Ärzten, Pflegepersonal und Verwaltung her.
Um es vorweg zu nehmen: ich war schockiert!
Katastrophale Hygieneverhältnisse, mit Worten kaum zu beschreiben; mangelhafte, überalterte Gerätschaften, stellenweise nicht einmal fließendes Wasser in dieser Klinik!
In den Fluren und Räumen abbröckelnder Putz, verschlissene Fußböden, teils löchrig, uraltes Inventar. Sofort erkennbar die früher schon gespendeten Hilfsgüter mit denen einzelne Räume ausgestattet waren.

Spätestens jetzt wurde mir die Notwendigkeit weiterer Hilfsaktionen bewusst!
Was dringend benötigt wird, sind medizinische Geräte zur Diagnostik und Therapie. Chirurgisches Instrumentarium, internistische, gynäkologische, urologische, ophthalmologische Grundausstattung, so wie Computer; OP-Leuchten, Verbandsmaterialien, RR- und BZ-Messgeräte, Laborgeräte, Betten, Matratzen, Pat. Stühle, UA Gehstützen, etc... einfach alles, auch Bettwäsche, Vorhänge, Trennwände und vieles mehr.
Es ist bewundernswert, wie die dort tätigen Ärzte, Schwestern und Pfleger unter solchen Bedingungen Ihre Patienten dennoch verantwortungsvoll behandeln. Sie könnten wesentlich mehr leisten, hätten sie nur die Mittel dazu. Sie verdienen unseren Respekt, wie sie trotz der gravierenden Mängel die tägliche Herausforderung annehmen und meistern.
Ein gleiches Bild boten die Kleinkliniken und Sozialstationen der umliegenden Ortschaften.
Herausragende Ausnahme: die Sozialstation in Perechin, welche ausschließlich durch die Mühlinger „ Hilfe für Menschen in der Ukraine“ und Spenden eingerichtet wurde.

Im Straßenbild von Ushgorod – und nicht nur dort - auffallend die sozialen Gegensätze.
Wenige sehr reiche und viele sehr arme Menschen. Zerfallene Häuser, noch aus der Zeit der Sowjetunion. Auf dem Basar reichhaltiges Warenangebot, aber den meisten fehlt das Geld!
Wir warten insgesamt 2 ganze Tage auf die notwendigen Zollpapiere, ohne die der LKW den Zollhof nicht verlassen kann. Nach unzähligen Telefonaten und viel Engagement von Kriegers ist es dann endlich soweit. Das Papier mit an die 10 Stempeln lässt den LKW passieren, so dass am Mittwoch endlich in Perechin bei trockenem Wetter auf einem großflächigen, unbefestigten Schulhof einer Beruf- und Internatsschule abgeladen werden kann.
Dank vieler Helfer verläuft alles reibungslos; die Verteilung und der Abtransport ebenso.
Es hinterlässt ein genugtuendes Gefühl mitzuerleben, wie sich die bedürftigen Menschen über jede Form von Hilfe freuen; wie dankbar sie sind, wenn durch die Spenden ihr Alltag erleichtert werden kann und sie Mut und Hoffnung schöpfen können, weil sie nicht vergessen wurden.
Die restlichen beiden Tage verbringen wir mit und bei Freunden, welche mit Ihrer Gastfreundschaft  sehr um unser leibliches Wohl bemüht sind und weitere Kontakte knüpfen wollen.
Im Mai nächsten Jahres wird der Musikverein Zoznegg mit über 40 Personen erwartet.
Die damit verbundene Organisation, Unterkünfte in einer westlichem Standard entsprechenden
Sporthotelanlage zu besorgen, und die zu erwartenden  musikalischen Auftritte in verschiedenen Ortschaften zeitlich abzustimmen, lösten Kriegers wiederum perfekt.
Am Freitagabend traten wir die Rückreise an. Dank guter Kontakte zu Polizei und Zoll werden  wir am Grenzübergang bevorzugt abgefertigt.
Wir fahren die ganze Nacht bei Regen, Nebel und zuletzt Schneeregen durch und sind Gegen 10 Uhr wieder zu Hause mit dem Gefühl ein wenig geholfen zu haben und der Überzeugung, auch weiterhin helfen zu wollen

W. Richter