Letze Änderung: 03/11/16

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HILFE für Menschen in der UKRAINE e.V. Mühlingen
gegründet am 03.10.2003

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Erfahrungsbericht 
über den Hilfstransport nach Kamyanytsa, Transkarpatien, im Südwesten der Ukraine 
vom 02. 03. bis 07.03. 2014
von Wolfgang Richter


Nach Überwindung unzähliger bürokratischer Hindernisse, lag endlich die Genehmigung aus Kiew für 2 weitere Hilfstransporte in die Ukraine vor. Die Bedenken, ob der Transport wegen der politischen Ereignisse in Kiew und der sich anbahnenden Problemen auf der Krim überhaupt  stattfinden könne, wurden durch die Nachricht aus Kamyanytsa zerstreut, da in dieser Region alles noch ruhig sei. Sicherheitshalber meldeten wir uns jedoch namentlich beim auswärtigen Amt über die Botschaft in Kiew für den Zeitraum unseres Aufenthaltes an.
Am Sonntag früh um 07 Uhr fuhren wir los. Wir, das waren Viktor Krieger und seine Frau Valentina, Anna Hegge, Wolfgang Richter und eine Ukrainerin.
Der 40t LKW, gesponsert von der Firma Eisen-Pfeiffer in Stockach, war die Woche zuvor mit Unterstützung von 6 Helfern mit Schulmöbeln, Schultafeln, Pinnwänden, Schränken, Lampen, Overheadprojektoren, Spülen, Waschbecken, mehrere Paletten von Fließen und einer Tischtennisplatte aus Beton beladen worden. Die Anzahl der Positionen war bewusst gering gehalten worden, um die
Zollabfertigung möglichst einfach und überschaubar zu halten.
Der LKW mit den beiden Fahrern Kurt Tobian und Gerhard Fritschi startete dann am Sonntag Abend und konnte Montag Mittag die Grenze passieren. Die Zollabfertigung war gelinde gesagt eine Zumutung. Nicht nur wegen des langen Wartens, umständlicher Abfertigung mit Stapelweisen Papieren, Stempeln, Ferntelefonaten, sondern vor allem wegen der sich willkürlich anmutenden Notwendigkeit, noch einen zusätzlichen Stempel durch den WKG zu benötigen , eine Behörde, die die Hygiene-Unbedenklichkeit  bescheinigen sollte! Es kam einem Erpressungsversuch gleich, als ein korrupter Beamter Schmiergeld forderte, alternativ wolle er den LKW verplomben und festsetzen.
Nach langem hin und her einigten wir uns, den LKW unter Aufsicht eines Zöllners am Zielort Schule in Kamyanytsa abzuladen und die Sachen in einem Schuppen zwischen zu lagern, welcher dann verplombt werden würde, bis die Formalität mit dem WKG erledigt sei. Dies sollte noch mal einen weiteren Tag dauern! Dass der LKW und die Fahrer zeitlich gebunden am Donnerstag wieder zurück mussten, interessierte nicht!
Auf Grund dieses Erlebnisses entschieden wir, vorerst keine weiteren Hilfstransporte mehr in die Ukraine zu starten.
Die Erleichterung war spürbar, dass der Hilfstransport letztendlich noch zeitgerecht abgeschlossen werden konnte und die Fahrer am Mittwoch  Vormittag die Heimreise antreten konnten.
Uns blieb noch Zeit genug für  Besuche zweier Krankenhäuser, welche erfreuliche Fortschritte durch eigene Renovierungsarbeiten gemacht hatten. Stolz zeigte man uns die Ergebnisse. Z.B. sahen wir in Perecin  ein renoviertes Treppenhaus, geflieste Flure, gestrichene Wände, zum Teil neue Türen, neue Deckenbeleuchtung. Der Gesamteindruck war deutlich sauberer und aufgeräumter als noch vor zwei Jahren.
Nach wie vor fehlen aber medizinisch technische Geräte für die Abteilungen Chirurgie, Innere, Gynäkologie und Augen. Auch Bettdecken und Bettwäsche, welche die Patienten zum Teil neben der Verpflegung im Behandlungsfall selbst mitbringen müssen. Für uns unvorstellbar! Mangel besteht auch bei Stühlen, Tischen und Regalen. Selbst Papier müssen die Angestellten der Verwaltung und auch die Bürgermeisterin selbst besorgen und aus eigener Tasche finanzieren!
Positiv zu erwähnen ist, dass im Kindergarten durch von uns gespendete Nähmaschine und Stoffen, Kleidung und Kostüme für Auftritte angefertigt wurden und so die Kinder bewusster wahrgenommen wurden.
Deprimierend leider das optische Bild des Ortes. Schlagloch übersäte Straßen, teils unbefestigt, die kleinen Häuser in lieblosem Grau, vielfach unverputzt, vermitteln eine triste Atmosphäre. Durch noch fehlendes Blattwerk ist alles gut einsehbar und so wird dieser Eindruck noch verstärkt.
Im Kontrast zum Äußeren eine herzliche und überaus gastfreundliche Bevölkerung, die sich mit dem Mangel abgefunden hat, die nicht klagt, aber jede Unterstützung gerne annimmt. Der Mangel schweißt die Menschen zusammen. Sie helfen und unterstützen sich gegenseitig und sind aufeinander angewiesen. Dieses Wir-Gefühl ist bei uns leider weitgehend abhanden gekommen. Maria, die Bürgermeisterin und Ihr Mann Michael waren unsere Gastgeber. Sie trugen erheblich dazu bei, uns großzügig zu bewirten und uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Man darf ruhig sagen, dass ohne die beiden unser Hilfsverein in den letzten Jahren weit weniger erfolgreich gewesen wäre. Sie halten den Kontakt zur Fam. Krieger, organisieren, planen und vermitteln, helfen und unterstützen vor Ort. Dafür sei Ihnen an dieser Stelle herzlich gedankt.
Am Freitag früh um 5 Uhr treten wir die Rückreise an. Mit dabei jetzt Ludmilla, die junge Ärztin, Mutter zweier Kinder, die Mitte März in Frankfurt in einer Spezialklinik endoskopisch an der Speiseröhre operiert werden soll. Seit Beginn des Jahres war für Sie über einen Spendenaufruf Geld gesammelt worden, um Ihr den für Sie lebensnotwendigen Eingriff zu ermöglichen.
Der Grenzübergang nach Ungarn war wiederum mit den üblichen Formalitäten und Wartezeiten verbunden. Wir hatten von Tuzsér, einem ukrainisch / ungarischen Grenzort mit  3740 Einwohnern
erfahren. Wir trafen den Bürgermeister, einen jungen, dynamischen Mann, welcher sich sehr interessiert und aufgeschlossen unserem Hilfsverein und unseren Hilfsangeboten zeigte. Für uns von Vorteil, weil sämtliche Zollformalitäten entfielen und wir somit nicht nur Zeit und Geld, sondern auch jede Menge Nerven sparten. Bei einer Rundfahrt durch den Ort  zeigte er uns die sozialen Einrichtungen, Schulen, Kindergärten, Sportstätten, aber auch ein Zigeunerviertel, welches Quelle sozialer Spannungen ist. Wir beschlossen, die geknüpften Kontakte weiter zu vertiefen und in Kontakt zu bleiben. Vom Bedarf unserer vorhandenen Güter hatten wir uns vor Ort überzeugen können. Mit diesem guten Gefühl im Bauch traten wir die Heimreise an und waren gegen 23 Uhr wieder zu Hause.
Ludmilla wurde von mir am 12.03. zusammen mit Valentina Krieger als Dolmetscherin nach Frankfurt
ins dortige Markus-Krankenhaus gebracht und am 13.03. erfolgreich operiert. Wir hoffen jetzt auf einen dauerhaften Erfolg und danken auf diesem Wege allen, die mit ihrem Engagement und ihrer Spende zum Gelingen beigetragen haben.





Wolfgang Richter