Letze Änderung: 03/11/16

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HILFE für Menschen in der UKRAINE e.V. Mühlingen
gegründet am 03.10.2003

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BERICHT zur Jahreshauptversammlung am 31. März 2007 im Gemeindesaal Mainwangen
und
REISEBERICHT über die Informationsfahrt vom 10. bis 15. März 2007
nach Uzhorod und Pereczyn im Bundesland Transkarpatien in der Westukraine

Generalversammlung 31.03.2007

Generalversammlung 31.03.2007

Zunächst ein Spruch, den wir oft zu hören bekommen und der manchem zu denken geben möge... : „Man kann nicht allen helfen, sagte der Engherzige – und hilft keinem“! 

Allgemeine Informationen:
Bei unserer letzten Informationsveranstaltung im Spätherbst 2006 konnten wir berichten, dass wir bis dann über 20 LKW-Ladungen mit rund 400 Tonnen Hilfsgüter sammeln, sortieren, verpacken, transportieren, verzollen, zwischenlagern und auslieferten. Inzwischen hat sich diese Zahl weiter erhöht, denn aktuell und mit dem Anfang März 2007 stattgefundenen LKW-Transport Nr. 24 sind wir schon bei gut 450 Tonnen Hilfsgütern angelangt. 

Es ist wohl müßig, die Informationen der letzten Veranstaltung zu wiederholen, weshalb wir diesmal eine kleine Reise durch die Region machen, in der wir seit nunmehr gut 4 Jahren tätig sind. Wir befinden uns im Westteil der Ukraine im Bundesland Transkarpatien, das an die Nachbarländer Polen, Slowakei, Ungarn und Rumänien angrenzt. Im Osten kommt noch Weissrussland hinzu, und ganz im Südwesten dann Moldawien.

Im März 2003 haben wir die erste Informationsfahrt unternommen und die 1. Lieferfahrt folgte dann im Juli 2003. Damit man versteht, warum die Gesamtanzahl an Informations- und Lieferfahrten in den 4 Jahren wohl die 30 übersprungen hat, möchten wir einmal die Orte und Regionen zeigen, die wir bis heute besucht und beliefert haben und die wir bis auf Weiteres betreuen. Betreuen heisst, dass wir bei fast jedem Besuch möglichst viele Stellen einplanen, an die wir geliefert haben oder die noch weiteren Ausrüstungs-Bedarf haben.

  • Stadt Uzhorod:
    Landratsamt mit Sozialstation und Katastrophenschutzamt
    Drogen-, Alkoholiker- und Psychiatrie-Krankenhaus
     
  • Grenzstadt Chop
    Krankenhaus mit Polyklinik
     
  • Ungarisches Grenzdorf Velikoja Dobron
    Krankenhaus mit Polyklinik
     
  • Dorf Ruski Kamarowzi
    Kindergarten
    Elektrische Rollstühle für 2 Behinderte
     
  • Dorf Veliki-Lahzi
    Elektrischer Rollstuhl für Behinderten
     
  • Landgemeinde Serednje
    Sanierung und Ausrüstung des Bezirkskrankenhauses mit einem Einzugsgebiet von 25.000 sehr armen Einwohnern – eines unserer Haupt- und Vorzeigeprojekte
     
  • Landgemeinde Hudlevo mit den Dörfern
    • Hudlevo
    • Lahovzie
    • Antalowzi
    • Solotwina
    • Chertish

    Hier haben wir Kindergärten, Schulen und Dorfambulanzen ausgerüstet und mit Material zum Ausbau von Sanitäreinrichtungen, Wasserversorgung und Küchen beliefert

  • Dorf Kibljare
    Kindergarten
    Schule
     
  • Grenz-Landkreis Pereczyn an der Slowakei
    Stadt Perezcyn
    Landratsamt mit Sozialstation, welche die sehr armen Karpatendörfer bis tief in die Hochtäler hinein mit Kleidung, mit Hilfsgütern und auch mit Verpflegung versorgt
    Kindergärten
    Schulen
    2 Krankenhäuser mit Polykliniken
    Berufschul-Waisenzentrum – unser zweites Haupt- und Vorzeigeprojekt
     
  • Landgemeinde Turja Remeta
    Krankenhaus
    Kindergärten
     
  • Dorf Turja Bistra
    Kindergarten
    Ambulanz
    Hilfsgüter und Kleidung für sozial schwache Familien
     
  • Bergdorf Nowoseliza
    Hilfsgüter und Kleidung für sozial schwache Familien

Hier wäre grundsätzlich dazu zu sagen, dass so genannte sozial schwache Familien nach deren Verständnis so arm sind, dass sie ohne staatliche Hilfe und ohne Hilfsgüter von außen absolut nicht überlebensfähig sind. Es sind oftmals Tagelöhner ohne geregelte und in jedem Fall schlecht bezahlte Arbeit, es gibt kaum Arbeit, sie leben von dem, was der Garten und die Wälder hergeben.

Zu den letztgenannten Dörfern Tuja Remeta, Turja Bistra und Nowoseliza gibt es jetzt weitere Informationen und auch ein paar bildliche Eindrücke, die von unserer letzten Informations- und Kontrollfahrt stammen. Dazu noch ein paar Schnappschüsse, die den Kontrast von früher und heute zeigen, also beispielsweise wie wir die Situation damals angetroffen haben und wie es dort heute aussieht...

 

Start zur Informationsfahrt war am 10. März. Nach einer problemlosen Fahrt trafen wir abends in unserem Reiseziel Pereczyn ein.

Am 11. März besuchten wir die Landgemeinde Turja Remeta, die aus 9 sehr armen Einzeldörfern besteht und 7.200 Einwohner hat. Die Dörfer liegen in einem Umkreis von 6 bis 17 km und es gibt nur im Hauptdorf Turja Remeta ein kleines Bezirkskrankenhaus. Das ist 1940 erbaut worden  und in einem absolut baufälligen Zustand und soll jetzt mit unserer Hilfe saniert und ausgerüstet werden. Das Krankenhaus besteht aus 3 verstreuten baufälligen Gebäuden und braucht ganz einfach alles: Abwasser, Wasserversorgung, Böden, Sanitärgerät, Fliesen, Waschbecken, Farbe aber auch Betten und medizintechnisches Gerät. Ein paar nackte Zahlen: der Etat des Krankenhauses beträgt 370.000 Griwna, das sind rund 60.000,- €. Davon gehen 60% für Löhne und der Rest für Energie und Medikamente drauf, so dass für Reparatur- und Renovierungsmaßnahmen absolut kein Geld da ist.

Wir haben hier schon einiges geliefert, jedoch nimmt das Projekt gewaltige Formen an und kommt in die Größenordnung Bezirkskrankenhaus Serednje, wo wir schon über drei Jahre aktiv sind und zusammen mit den Behörden und dem Personal einen sehr großen Erfolg erzielen konnten.

Nachmittags besuchten wir das Berufsschulzentrum in Pereczyn und nahmen dort weiteren Bedarf auf. Hier wäre noch zu erwähnen, dass wir von der Spedition Transo eine Spende von 5.000,- € bekamen, die wir für den Kauf von gebrauchten Ausbildungsmaschinen verwenden, damit die jungen Voll-, Halb- und Sozialwaisen durch handwerkliche Ausbildung überhaupt eine Perspektive und damit eine Lebenschance bekommen. Außerdem lebt im Waisenzentrum ein junges Mädchen namens Ruslana, das einen so genannten Klumpfuß hat und auf Initiative von Hans Hönig von einem befreundeten Orthopäden einen speziellen Einsatz und zwei paar Schuhe gespendet bekam.

Am 12. März besuchten wir den Regierungspräsidenten Michael Danza, der uns erklärte, dass Perezcyn ein so armer Kreis ist, dass alles von oben her diktiert wird, während reichere Kreise einen Großteil ihres Budgets selbst verwalten können. Beispielsweise werden im Bereich Gesundheitswesen den sozial schwachen Familien Medikamente bezahlt, während normale Familien das alles selbst bezahlen müssen, in vielen Fälle aber gar nicht können. Ein Spruch von Michael Danza: 1 Krankenhaus für die Großkopfeten in der Hauptstadt Kiew bekommt   mehr Geld als alle Dorf- und Bezirkskrankenhäuser in der Ukraine zusammen! Die Dörfer sind sehr arm und die Kinder und die Rentner zählen hier zu den ärmsten Menschen.

Nachmittags besuchten wir Turiza und Turiczi , zwei Dörfer der Landgemeinde Turja Remeta, um uns vor Ort einen Überblick über die Situation in den Kleindörfern zu verschaffen. Wenn man in diese Gemeinden fährt, wird schnell klar, dass Entfernungen von 6 bis 17 Kilometer zur Landgemeinde Turja Remeta im Krankheitsfall eine Weltreise darstellen können. Die Menschen haben oftmals keine Fahrzeuge, die älteren Leute und die Kinder sowie die Mütter sind auf sich gestellt, weil die Männer irgendwo weit weg arbeiten, wenn überhaupt Arbeit da ist. Was bleibt ist der Bus, und der fährt nur einige Mal am Tag. Es ist geplant, in Turiczi ein kleines Ambulanzzentrum zu errichten, das dann fünf Kleindörfer versorgen und den Menschen im Krankheitsfall die Versorgung etwas erleichtern soll.      

Am 13. März machten wir dann unsere Informations- und Kontrolltour nach Serednje und wurden dort wie immer sehr herzlich empfangen. Stolz zeigte uns der Chefarzt Anton die von uns gelieferten und eingebauten Gegenstände in vollem Gebrauch und seit wir dort die Sanierung und den Ausbau initiiert haben, geht es Stück für Stück aufwärts – es gibt jetzt sogar neue Fenster!

Am 14. März besuchten wir das Drogen-, Alkoholiker- und Psychiatrie-Krankenhaus in Uzhorod, das von Wassilij Krutschnitza geleitet wird und der mit unserer Hilfe sein Krankenhaus sukzessive auf Vordermann bringt. Es ist für uns und damit auch für die vielen Spender von Sachgütern sehr schön anzusehen, wenn die Materialien und Gegenstände, die teilweise erst vor kurzem geliefert wurden, bereits eingebaut und in Gebrauch sind. Nach der Besichtigung des Krankenhauses ging es dann zu einer großen Pressekonferenz an der die Tageszeitungen Uzhorod und RIO sowie die Rundfunkstationen Radio Wersija, Radio Tisa, und Radio Swaboda (Freiheit) und das Fernsehen mit dem Sender Kanal 21 teilnahmen. Wir wurden von unseren Freunden vorgestellt und mussten viele Fragen über das Warum und Wie und die Motivation unseres Hilfsprojekts beantworten. Das war sicher auch in dem Sinn eine gute Sache, dass hier für unser Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ geworben wurde.

Nachmittags machten wir auf besonderen Wunsch des Landrats Peter Hritsik noch einen längeren Abstecher in das tief in den Karpaten gelegenen kleinen Bergdorf Nowoseliza, das zusammen mit 7 weiteren Dörfern den besonderen Status „Bergdorf“ hat. Das 500 Seelen zählende Dorf teilt sich auf in 30% alte Menschen, 30% Kinder und 40% Erwachsene, wobei die Arbeitslosigkeit wegen der abgelegenen Lage enorm hoch ist und deshalb – wer kann –

das Dorf einfach verlässt. Auch hier gibt es eine Ambulanzstation, einen Kindergarten, eine Schule und eine Sozialstation und wir sind aufgefordert, im Rahmen unserer Möglichkeiten jede nur denkbare Hilfe zu leisten, womit wir, wie eingangs erwähnt, bereits begonnen haben.

Am 15. März traten wir dann – voll gepackt mit neuen Eindrücken – wieder die Heimreise an  

und haben schon auf der Fahrt die nächsten Pläne für weitere Hilfsaktionen entwickelt. Wer sich die anfangs aufgezählten Stationen in Erinnerung ruft, stellt schnell fest, dass wir uns hier in enger Abstimmung  mit den Behörden in einem äußerlich überschaubaren Gebiet betätigen. Schaut man jedoch genauer hin, umfasst das Gebiet jedoch einen Aktionsradius von 50 km oder auch ein bisschen mehr. Ausgehend davon, dass allein im sehr armen Bundesland Transkarpatien noch einige Hundert Gemeinden auf Jahre hinaus humanitäre Hilfe benötigen, geht uns in den nächsten Jahren wohl kaum die Arbeit aus.

Bilder von der Informationsfahrt [hier]